Storytelling

Storytelling in der Wissenschaft

Wissenschaft. Wissen schaffen: Das hat für mich ja auch immer mit Anstrengung zu tun. Den Kopf anstrengen, der in meinem Fall für Kreatives, Buntes, Ausgefallenes und für Geschichten geschaffen ist, nicht jedoch für Zahlen oder logische Zusammenhänge. Wenn etwas sehr Komplexes es dann aber schafft, mich zu faszinieren und tatsächlich verstehen zu lassen: Das ist ganz großes Kino. So geschehen im Dezember 2018. Ich, in einem Raum mit Initiatoren, Wissenschaftlern, Forschern und Designern des NZONE-Projekts. Meine Physik-, Mathematik und Chemie-Lehrer von einst wären blass erstaunt. Ich wars auch, denn: Verstehen macht Spaß! Vor allem, wenn ich mir den Weg dorthin selbst erarbeite.

Ein Sorry an dieser Stelle an all jene, die im Anschluss an das Seminar im ZKM meine begeisterten (laienhaften) Erläuterungen zu Nanopartikeln und Lichtwellen, Phänomenen und Vorstößen in der Nanoforschung über sich ergehen lassen mussten. Ich habe mich selbst überrascht, und das ist wohl der Kern des Ganzen: Immer wieder staunen, immer weiter neugierig bleiben, immer mehr wissen wollen.

Darum geht’s auch in der NZONE. Eine Lernumgebung erleben, die auf einer Vielzahl von Wegen weiterbringt. Wie aber lässt sich das vereinbaren mit dem Fachjargon? Mit Nanophotonik, mit Plasmonenresonanz, mit Schwingung und Strukturen? Die Antwort liegt für mich auf der Hand und mir auf der Zunge: mit Geschichten. Storytelling ist der Schlüssel. Storys lassen uns Dinge erleben, die wir nicht unmittelbar sehen können. Mehr noch, sie helfen uns, zu verstehen und uns zu erinnern. Besser als harte Fakten es jemals könnten.

Geschichten für das Klicken im Kopf

Vergleichen wir doch mal: Marc Chagall, französischer Maler russisch-jüdischer Herkunft, Vertreter des Expressionismus, 1887–1985, verwendet in von ihm gestalteten Fenstern stets wiederkehrende Symbole. Und jetzt: Marc Chagall, französischer Expressionist, ist als „Meister der Farben“ vor allem für die von ihm entworfenen Kirchenfenster bekannt. Die sind oft im blauesten Blau, hin und wieder auch in Rot gehalten. Aber sind sie wirklich rot? Dass sie jedenfalls so eindrucksvoll leuchten, dafür sorgt das Licht. Und das Material. Und da betreten wir die Welt der Nanoteilchen, die NZONE. Denn wenn Licht auf Materie trifft, entsteht eine Wechselwirkung.

Glasfenster in der All Saints Church in Tudeley (Kent) gestaltet von Marc Chagall
Glasfenster in der All Saints Church in Tudeley (Kent) gestaltet von Marc Chagall

Fühlt sich ganz anders an, oder? Chagall, Farben und Fenster, Licht und Materie, das lässt sich leichter fassen. Die genannte Wechselwirkung zu beschreiben war eine der Aufgaben im Rahmen meiner „Storytelling in der Wissenschaftsvermittlung“-Mission. Plasmonenresonanz? Keinen Schimmer. Selbst Lichtwellen, in der Theorie, sind noch schwierig. Aber Kirchenfenster, Sonnenlicht und Gold, das Rot scheint: Das geht. Das schafft mein Kopf, und mehr noch, da will mein Kopf sogar mehr. Erstaunlich!

Wie Lernen leichter fällt

So habe ich nicht nur mehr über Chagall und Kirchenfenster gelernt, sondern auch über Farbeindrücke, Gold-Partikel und wie wichtig die richtige Größe, der richtige Moment und die richtige Länge sind. Das können NZONE-Nutzer mit weniger Aufwand und mehr Spaß. Farben lassen sich in einem interaktiven „Nanofenster“ beeinflussen, und ich bin beeindruckt. Ehrlich gesagt, obwohl meine Schulzeit Jahrzehnte her ist (oder vielleicht auch gerade deshalb): So wäre mir Lernen einst leichter gefallen.

Siehe Dezember; das Gefühl, so lange weiterzumachen, bis es im Kopf klickt, während mich Traubensaft auf dem Tisch, bunte Bilder am Board und motivierte Menschen mir gegenüber mich unterstützen – wow. Dieses wundervolle Gefühl des Wissens sollen noch viel mehr Menschen erleben dürfen.